(„AUSGEZEICHNET – Die Gewinner-FilmEdition“ / Film 7)
AUSGEZEICHNET! - Die Gewinner-FilmEdition
rollt überragendem Filmniveau den roten Teppich aus. Eine Edition mit
Filmen, die bewegen, anrühren, aufschrecken und inspirieren. Filme, die
unter die Haut gehen und ausgezeichnet sind:
AUSGEZEICHNET! mit Preisen.
AUSGEZEICHNET! in Qualität und Anspruch.
AUSGEZEICHNET! in der Themenauswahl.
AUSGEZEICHNET! besetzt.
AUSGEZEICHNET
wurde der Film mit dem Deutschen Fernsehpreis 2009 in den Kategorien
Beste Regie (Nikolaus Leytner) und Bester Schauspieler Hauptrolle (Josef
Hader).
2010 gewann Ein halbes Leben den Grimme-Preis in der Kategorie Fiktion.
Eine junge Frau wird vergewaltigt und erdrosselt aufgefunden. Ihr
Vater kann sich mit ihrem Tod nicht abfinden – und noch weniger mit der
Tatsache, dass der Täter trotz massiver Spuren nie ermittelt wird. Ein
halbes Leben lang gibt er die Suche nicht auf, fahndet und recherchiert –
zum Großteil auf eigene Faust. Ein halbes Leben lebt jedoch auch der
Mörder, mittlerweile Familienvater, immer mit der Angst im Nacken für
seine Tat doch noch überführt zu werden. Gut zwanzig Jahre nach dem
Mord, als sich die DNA-Analyse in der Gerichtsmedizin durchzusetzen
beginnt, werden die Karten neu gemischt.
Die Handlung begleitet zwei Hauptpersonen: Auf der einen Seite den Wiener U-Bahn-Fahrer Ulrich Lenz (Josef Hader). Er ist ein verurteilter Vergewaltiger und hat bereits eine Gefängnisstrafe abgesessen. Eine zweite Vergewaltigung, die er einige Jahre später begangen hat, blieb jedoch ohne Strafe: Lenz hat das Opfer während der Tat umgebracht - die Polizei hat den Fall bisher nicht gelöst. Im weiteren Verlauf des Films wird angedeutet, dass Lenz die Frau während der Vergewaltigung nicht vorsätzlich, sondern im Affekt tötete. Ulrich Lenz leidet unter seiner ungesühnten Schuld. Er bereut die Tat. Als er sich seiner Lebensgefährtin anvertraut (die von der gesühnten Vergewaltigung wusste), verlässt sie ihn, obwohl sie kurze Zeit später heiraten wollten. Jahre später hat er eine neue Beziehung, aus der eine Tochter hervorgeht. Nachdem ihn auch seine zweite Partnerin verlässt, lebt er als alleinerziehender Vater mit seiner kleinen Tochter zusammen. Ein normales Leben zu führen, fällt ihm schwer. Er ist hin- und hergerissen zwischen der Sehnsucht danach, endlich gestehen zu können und seine Strafe zu erfahren, und der Angst davor, seine Freiheit einzubüßen und damit seine Tochter im Stich zu lassen.
Die zweite Hauptperson des Films ist der Vater (Matthias Habich) des damaligen Opfers. Er hat mit dem grausamen Tod seiner Tochter auch Jahre nach der Tat noch hart zu kämpfen und findet keine Ruhe, solange der Täter nicht gefasst ist. Somit kann auch er kein normales Leben führen. Ständig ist er mit dem ihm bekannten Wiener Polizisten Max Hauer in Kontakt um über den Stand der Ermittlungen in dem Fall informiert zu bleiben. Er setzt seine ganze Hoffnung in eine neue Ermittlungsmethode: Die DNA - Analyse die per genetischem Fingerabdruck helfen soll, den Mörder seiner Tochter zu finden.
Auch der Täter Ulrich Lenz erfährt von den neuen Ermittlungsmethoden: Als bekannt gegeben wird, dass alle ehemaligen Sexualstraftäter eine DNA-Probe abgeben müssen, um in einer Sexualstraftäterdatei gespeichert zu werden, ahnt Ulrich Lenz, dass es von nun an nur mehr eine Frage der Zeit ist, bis er gefasst wird. Er lebt sein Leben gemeinsam mit seiner Tochter weiter, gibt die DNA-Probe ab, und wartet täglich auf seine Verhaftung.
Am Tag seiner Verhaftung bemerkt Ulrich Lenz bereits früh, dass er beschattet wird. Er ist dabei, seine Tochter in die Schule zu bringen, als die Polizei zuschlägt. Lenz kann sich gerade noch von seiner Tochter verabschieden: Er sagt ihr, er würde immer für sie da sein. Danach wird er gefangen genommen. Für ihn ist es zugleich der Zusammenbruch seiner Welt als auch eine Erleichterung. Er gesteht die Tat in vollem Umfang.
Lenz bittet seinen Pflichtverteidiger darum, ein Treffen mit dem Vater seines Opfers im Gefängnis zu arrangieren. In der Schlüsselszene des Films treffen die beiden aufeinander. Der Täter entschuldigt sich. Die Frage seines Gegenübers nach dem Warum lässt er unbeantwortet. Stattdessen erzählt der Täter von seiner Tochter und dass er ihr versprochen hätte, immer für sie da zu sein. Der Vater des Opfers bricht das Gespräch nach wenigen Sätzen ab: Er ist schockiert, dass er auf den reuigen Täter nicht mehr dieselbe unbändige Wut empfinden kann wie all die Jahre auf den zu dieser Zeit noch Unbekannten.
Der Film endet mit der Verurteilung von Lenz und damit, dass die Eltern des Opfers die Tochter des Täters im Kinderheim besuchen und ihr anbieten, Freizeitaktivitäten mit ihr zu gestalten. Das Mädchen freut sich über dieses Angebot.
Komentare:
01. Peter Grabowski (Matthias Habich) kann den Tod seiner Tochter nicht
verarbeiten und treibt seinen Freund Max (Wolfgang Böck) zu immer neuen
Anstrengungen in der polizeilichen Ermittlung an.
Seine Frau Marianne (Franziska Walser) muss nicht nur den Verlust
der Tochter bewältigen, sondern auch ertragen, dass sich ihr Mann in
seiner Trauer und seinem Zorn vergräbt.
Der Mörder Ulrich Lenz (Josef Hader), obschon bereits wegen
Vergewaltigung vorbestraft, wird nach diesem Sexualmord nicht ergriffen,
fürchtet jedoch Jahr für Jahr mehr seine Entlarvung durch systematische
DNA-Tests bei Sexualstraftätern.
Als nach einem halben Leben tatsächlich die Falle zuschnappt, war
dem Vater bereits bewusst, dass die Ergreifung des Täters nicht mehr
entscheidend für seine persönliche Lebensbewältigung sein würde. Der
Täter hingegen hatte nun selbst nur noch eine heranwachsende Tochter,
die er für viele Jahre allein lassen würde.
Noch in Untersuchungshaft lässt der Mörder über seinen Anwalt Peter um ein Gespräch bitten...
Nikolaus Leytner, sowohl Autor als auch Regisseur, gelang mit seinen
hervorragend besetzten und vorzüglichen Darstellern ein bemerkenswerter
Film. Ohne Überzeichnung werden die Charaktere behutsam
herausgearbeitet, die persönlichen Abgründe für den Betrachter
erfahrbar.
Der Film profitiert von der neutralen, feinfühligen Beobachtung und
dem Verzicht auf parteiische oder gar belehrende Tendenzen, wozu
selbstverständlich die vorzüglichen Darsteller mit sorgfältigem und
zurückhaltendem Stil viel beitragen. Nicht nur die männlichen Antipoden,
sondern auch der Ermittler und vor allem die gefühlvolle und
feinfühlige Ehefrau tragen zum Detail- und Facettenreichtum der
Erzählung wertvoll bei.
Die Verflechtung und Spiegelung der Entwicklungen wirkt keineswegs
künstlich oder konstruiert, sondern überzeugend und zwangsläufig,
geradezu wie eine Fuge des Schicksals.
Eine wahre Perle der Filmkunst, die ergreifend und spannend den Zuschauer fast unmerklich zum Nachdenken zwingt.
Äußerst sehenswert und auch thematisch überzeugend.
SCHAUSPIELER:
